Alle Beiträge von Christoph Forsthoff

Pe Werner: “Dies ist der meist missverstandene Liebessong”

Theater, Konzertsaal oder Kleinkunstbühne, Sinfonieorchester, Rockband oder Bigband: Es gibt nur wenige Künstler, die vielfältiger aufgestellt sind als Pe Werner. Da überrascht es schon, dass ausgerechnet diese Alleskönnerin nun mit „Ne Prise Zimt“ ein Weihnachtsalbum herausgebracht hat – auf dem es indes dank der hr-Bigband herrlich swingt, klingt und groovt. Ohne dass die 53-jährige Wahl-Kölnerin darüber die zarten Jazzballadentöne vergessen hätte: Die gehören nun einmal zum Fest dazu. Letzteres feiert sie übrigens „ganz klassisch wie alle anderen auch“ im Kreis ihrer Familie im Odenwald: „Essen, essen, essen – Geschenke, Geschenke, Geschenke…“ Doch zuvor hat Christoph Forsthoff noch mit Pe Werner über Zimtgebäck, Glück und das große Kribbeln gesprochen. Pe Werner: “Dies ist der meist missverstandene Liebessong” weiterlesen

Klazz Brothers & Cuba Perucssion: Classic meets Cuba II

Zurück zu den Wurzeln – oder auch: Warum nicht den größten Erfolg nochmal wiederholen? Ob letzteres so einfach ist, wird der Verkauf des Albums „Classic meets Cuba II“ zeigen, dass ersteres auch nach mehr als einem Jahrzehnt noch zu einer ebenso bezwingenden wie zwanglosen Synthese führen kann, lassen die Klazz Brothers und Cuba Percussion einmal mehr hören. Ihr Rezept hat dabei über die Jahre nichts an Frische verloren: Unverwüstliche Klassik-Hits von Dvorak, Bach oder Rachmaninow werden mit kubanischen Rhythmen Klazz Brothers & Cuba Perucssion: Classic meets Cuba II weiterlesen

Siggi Loch: “Ich höre mir nichts auf dem iPod an!”

Als Junge hat Siggi Loch seinem Vater die Caprifischer auf dem Akkordeon vorgespielt – heute gehört der Wahlberliner zu den Granden der Musikbranche. Nachdem der gebürtige Pommer in den ersten 30 Jahren seines Berufslebens für fast alle großen Musiklabels in führender Position tätig war und Stars wie Yes, Al Jarreau, Marius Müller-Westernhagen oder Katja Ebstein ihre Karriere nicht zuletzt seinem Manager-Geschick verdanken, widmet sich der schlanke Mann nun seit über zwei Jahrzehnten seiner eigentlichen Liebe: dem Jazz. Sein eigenes Label ACT hat dabei nicht nur Weltkarrieren wie die Nils Landgrens, Rigmor Gustafssons oder des Trios e.s.t. und seines 2008 tödlich verunglückten Pianisten Esbjörn Svensson befördert, sondern auch den Jazz mit dem Pop versöhnt. Christoph Forsthoff hat mit Siggi Loch gesprochen. Siggi Loch: “Ich höre mir nichts auf dem iPod an!” weiterlesen

Viktoria Tolstoy & Jacob Karlzon: A Moment of Now

Viktoria Tolstoy & Jacob Karlzon: A Moment Of Now (cover)Pausen, hat Viktoria Tolstoy uns im Interview erzählt, Pausen seien für ihren Jazzgesang viel wichtiger als die Noten. Für den Zuhörer, um die oftmals seidenweichen, perlenden Klänge der Schwedin in ihrer ganzen Schönheit zu empfinden – für die 39-Jährige, um in sich hineinzuhorchen, wie der Song wohl weitergehen könnte. Was dann mal laut und aggressiv, mal sanft und verhalten klingen kann. „Alles eine Frage des Temperaments und des Moments“, meint die blonde Sängerin und ihre blauen Augen blitzen.
Und eben dieser Viktoria Tolstoy & Jacob Karlzon: A Moment of Now weiterlesen

15 Fragen an Lizz Wright

Wovon haben Sie letzte Nacht geträumt?
Lizz Wright: Ich erinnere mich eigentlich nie an die Träume der Nacht. Von daher kann ich nur hoffen, dass ich heute Nacht von prächtigen Pfauen, Orchestern und wunderbaren Abendkleidern träumen werde…

Welches Konzert/welche Platte hat Sie zum Jazz gebracht?
Auf die Frage gibt es viele Antworten. Früh beeinflusst hat mich Marian McPartland und ihre Radiosendung „Piano Jazz“, in der sie mehr als drei Jahrzehnte lang Jazzmusiker präsentiert hat. Eine echte musikalische Entdeckung, ja geradezu eine Schlüsselbegegnung war später dann für mich Betty Carters Album „Inside Betty Carter“ aus dem Jahr 1964. 15 Fragen an Lizz Wright weiterlesen

Fjarill: Tiden

Fjarill: TidenManchmal im Leben passt es einfach. Menschlich, musikalisch, atmosphärisch. „Ainos Gesang hat damals etwas ganz tief in mir berührt“, erinnert sich Hanmari Spiegel an ihre erste Begegnung mit der schwedischen Sängerin und Pianistin. „Da klang eine Ehrlichkeit und Klarheit durch, die ich aus meiner südafrikanischen Heimat kannte und liebte.“ Und als kurz darauf für einen Weihnachtsbasar ein paar Musiker gesucht wurden, ward aus dem Fan und der Künstlerin urplötzlich ein Duo. „Das hat richtig Spaß gemacht, wir haben einfach improvisiert, und doch Fjarill: Tiden weiterlesen

Torsten Goods: Love Comes to Town

TorstenGoodsLoveComesToTownZugegeben: Diese Scheibe hört sich verdammt gut an. Was natürlich auch daran liegt, dass Torsten Goods nicht nur dem Popjazz von Großmeister (und erklärtem Vorbild) George Benson huldigt, sondern obendrein auch wirklich hübsche Klassiker oder Songs von Adele und U2 gekonnt wiederbelebt. Aber eben auch „nur“ wiederbelebt und nicht neu belebt, so dass der Hörer sich vor allem in wohl vertrauten Stimmungen wiederfindet. Was natürlich schon einiges voraussetzt, will Funksound auch wirklich lässig-flauschig zum Klingen gebracht Torsten Goods: Love Comes to Town weiterlesen

Goran Kajfes Subtropic Arkestra: The Reason why Vol. I

cover Goran Kajfes„No Games with Names“ hieß eine der eisernen Grundregeln im Stilbuch der Financial Times Deutschland – und an die halten wir uns auch weiterhin. Und ersparen dem Leser damit all jene abgegriffenen klimatischen Musikbeschreibungen, die einem angesichts des „Subtropic Arkestra“ so in den erhitzten Sinn kommen könnten. Schließlich bieten die Band und ihr führender Kopf Goran Kajfes gerade mit ihrem neuen Projekt „The Reason why“ Ansatzpunkte genug für Betrachtungen jenseits heißer Musik: Unternehmen der schwedische Trompeter und sein Ensemble doch eine Reise in die Vergangenheit, als die Grenzen zwischen Jazz und Rock eingerissen wurden. Damals, Goran Kajfes Subtropic Arkestra: The Reason why Vol. I weiterlesen

Viktoria Tolstoy: “Unser Zusammenspiel ist wie ein Liebesakt”

Natürlich, die Frage musste ja kommen. Viktoria Tolstoy lacht. „Wir sind einfach gut.“ So einfach ist das mit dem Geheimnis des skandinavischen Jazz’. Rigmor Gustafsson, Silje Nergaard, Rebekka Bakken, Caecilie Norby – die Liste der erfolgreichen Chanteusen aus dem melancholischen Norden ist lang. Und die der männlichen Kollegen noch länger: Nils Landgren, Lars Danielsson, Jan Lundgren, Ulf Wakenius, Bugge Wesseltoft – die dafür aber längst nicht so hübsch sind. Eine Anmerkung, die die blonde Frau mit den langen Beinen und den noch längeren Haaren dann doch ein wenig in Verlegenheit bringt – und sich im Interview mit Christoph Forsthoff um eine seriöse Erklärung bemühen lässt. Viktoria Tolstoy: “Unser Zusammenspiel ist wie ein Liebesakt” weiterlesen

Soneros de Verdad: Un, Dos, Tres Soneros

Soneros De Verdad: Un, Dos, Tres SonerosFusion-Musik mag ja nicht jedermanns Sache sein, doch dem Sog des kubanischen Son, jener Mixtur aus den traditionellen Liedern der spanischen Kolonialherren und den Rhythmen afrokubanischer Sklaven, kann sich kaum einer entziehen. Luis Frank Arias, der Meister dieses melancholischen Stils, hat diese gefühlsgeladene Mischung nun noch um Jazz und Timba, Songo- und Danzón-Elemente erweitert – und doch pulsiert in jedem Moment hier das Lebensgefühl seiner (kubanischen) Heimat! Eben genau so, wie man es von diesen „Sängern der Wahrheit“ Soneros de Verdad: Un, Dos, Tres Soneros weiterlesen

Nils Landgren: “Ich lasse lieber die Musik für mich und sich selbst sprechen”

Alter Schwede! Wenn Nils Landgren mit seiner Funk Unit aufkreuzt, ist eines garantiert: Was sie spielen fährt mächtig in die Beine. Tanzfreudiger als der Ausnahme-Posaunist spielt kaum ein anderer Jazzer auf – ohne dass sich der Bläser damit auf diese eine Spielart des Rhythm’n’Blues festlegen würde. Dafür hat der Mann in seinen mittlerweile 57 Lebensjahren dann doch auf zu vielen Hochzeiten getanzt. Christoph Forsthoff hat den polyglotten Musiker mit der „Licence to Funk“ zum Interview getroffen. Nils Landgren: “Ich lasse lieber die Musik für mich und sich selbst sprechen” weiterlesen

Nils Landgren Funk Unit: Teamwork

Nils Landgren TeamworkTeamwork: Wohl selten hat dieser gern benutzte Begriff in der Musik mehr Sinn gemacht als bei diesem Album. Nicht nur, dass der Meister der Jazz-Posaune einmal mehr satte, geschmackvoll instrumentierte Funknummern mit unwiderstehlichen Rhythmen liefert: Nein, Nils Landgren hat für dieses Album vorab eben das aufleben lassen, was den Jazz so einzigartig macht – stundenlange Jamsessions. Derart eingestimmt, hat der Schwede dann mit seiner Funk Unit die 13 Stücke eingespielt: Wundert es da, dass die Riffs weit mehr knacken als auf vielen andere Alben, die Nils Landgren Funk Unit: Teamwork weiterlesen

Nigel Kennedy: Recital

Nigel Kennedy: RecitalVergessen wir einfach mal die übliche Kennedy-Verpackung: all das Gerede vom unorthodoxen Violinvirtuosen und Enfant terrible der Klassikszene, von der doch schon arg gelichteten Punkerfrisur oder seinen verbalen Ejakulationen. Dann ist diese Hommage an die Vorbilder seiner Jugend wie Stéphane Grappelli, Yehudi Menuhin oder Fats Waller ein gelungener und ziemlich entspannter Ausflug in den Jazz, der den guten alten Bach ebenso kontrastreich integriert wie zwei eigene Werke. Wo kongeniale Musiker wie Rolf Bussalb (Gitarre) Nigel Kennedy: Recital weiterlesen