Erik Truffaz: Rendez-Vous (Paris – Benares – Mexico)

Rastlos unterwegs in einer Endlosschleife von Konzerten überall auf der Welt globalisiert der Schweizer Trompeter und Elektrojazzer Erik Truffaz seine Schallplattenproduktion: Die vorliegende Drei-CD-Box bündelt drei Projekte aus drei Städten dreier Kontinente. Erste Station, Paris: belanglos-harmloser Simpelpopjazz mit Sly “Ich-kann-eine-Beatbox-imitieren-wie-Bobby-McFerrin” Johnson. Zweite Station, Mexiko-Stadt: Bei den minimalistischen Ambient-Spielereien mit dem Elektro-Musiker Murcof entwickelt Truffaz aus wenigen Keimzellen imposante musikalische Gebilde.
Dritte Station, Benares: Der mit traditionellen indischen Elementen angereicherte Jazz (zusammen mit Malcolm Braff, Indrani und Apurba Mukherjee) ist zwar nicht neu, aber das spannendste Projekt dieser Box. Sven Sorgenfrey (5.1.2009)

Label: Blue Note/EMI

Matthias Eick: The Door

Man kann Jan Garbarek nicht allein für die Musik seiner Landsleute verantwortlich machen. Es muss auch an Norwegen selbst liegen: Die karge Landschaft, dunkle Winter, fiese Trolle – all das scheint eingeflossen zu sein in Eicks düsteres Erstlingswerk. Dessen Stimmung ist so abgrundtief traurig, dass man sie ohne Einnahme von Antidepressiva lieber nicht hören sollte. Das Tempo der Stücke variiert zwischen langsam und extrem langsam. Mit strenger Verpflichtung auf gepflegten Wohlklang trägt Eick auf seiner Trompete elegische Melodien mit hohem Mitsummfaktor vor. Jon Balke mischt am Klavier atmosphärische Tupfer bei. Während beide sich in schönen Klangwelten ergehen, kämpfen Bass und Schlagzeug engagiert, aber vergeblich um ein wenig Drive. Sven Sorgenfrey (31.07.2008)

Label: ECM

HDV Trio: All In

HDV-Trio All In (Cover)Der 24-jährige Ziegenbarthipster David Helbock aus der österreichischen Provinz hat sich mit zwei Landsleuten aufgemacht, in der Königsdisziplin „Klaviertrio“ mal eben eigene Pflöcke einzuschlagen. Aus Geräuschfetzen schälen sich Muster, Rhythmen, Klänge, Phrasen; es finden sich Akkorde, eine Tonart wird etabliert, Melodien entstehen, da bricht das Gebilde wieder auseinander, bevor man es sich in dem gewonnenen Terrain gemütlich einrichten kann. Von seltener Souveränität ist die Art, wie Schlagzeug und Bass das Klavier mal unterstützen, mal ihm zuwiderlaufen. Diese Musik ist virtuos intellektuell und emotional im musikalischen Duktus. Das Parodistische dient hier als Grundmaterial, aus dem Eigenes entsteht, das oft ironisch daherkommt und keine Groteske, keinen musikalischen Witz verschmäht.
Sven Sorgenfrey

Label: Double Moon/Sunny Moon