Diazpora © Nikita Kret

Diazpora: Step Up

Übrigens: Der Kollege Sorgenfrey hat mir kürzlich erzählt, dass in der Steinzeit des WWW alle Texte, die „Pamela“, „Anderson“ und „nackt“ in den (unsichtbaren) Metadaten enthielten, von den Suchmaschinen bevorzugt wurden. Jetzt bin ich natürlich gespannt auf den Google-Score dieser Rezension – aber das wollte ich gar nicht erzählen ….
Ganz im Gegenteil: Ich will ein richtig gutes Album vorstellen: Diese CD ist wirklich Klasse! „Step Up“ , die siebte Langrille der Hamburger Formation Diazpora überzeugt mit einer munteren Mischung aus stampfenden Funkrhythmen, souligem R&B und auch wunderschönen Cocktailjazzballaden („Risin‘ High“). Man spürt fast den Schweiß, der einem den Rücken hinunter läuft, wenn die pumpenden Rhythmen von „Fake Off“ oder „Timbuktu“ aus den Lautsprechern knallen. Ob die Band (mit ihren Outfits können die Herrschaften vom Kölner Karnerval bis zu einem Stundenhotel in der Bronx fast alles bespielen) auch live der Bringer ist, kann ich leider nicht beurteilen: Der Türsteher bei der Releaseparty im Hamburger „Knust“ weigerte sich, meinen Namen auf der Gästeliste zu finden. (Immerhin schaffte er es, zwei grauhaarigen älteren Damen die Handtaschen zu filzen.)


Die stark an Pee Wee Ellis und die James-Brown-Rhythmen-Section sowie manchmal an die besten Zeiten von Blood, Sweat and Tears angelehnten Sounds gehen sofort ins Ohr. Bei „So Glad“ und „Rollin’“ legte Großmeister Ellis sogar selbst Hand an. Einzige Ausfälle sind zwei Fremdkompositionen: Der Cream-Klassiker „Sunshine Of Your Love“, könnte so (bis auf den schrecklichen Gesang) auch von James Last oder Max Greger gecovert werden. Oder „Breathe“ von Prodigy – die Band verrührte das Stück so lange mit Steve Winwoods „I‘m a man“, bis es irgendwie funktauglich klang.

Diazpora - Step Up (Cover)Diazpopra gibt es mittlerweile seit zwölf Jahren. Da wundert man sich, dass die Band noch relativ unbekannt ist. Jede Menge Clips auf Youtube dokumentieren die hohe Bühnentauglichkeit und den ungebremsten Spaßfaktor der achtköpfigen Formation. Internationale Preise von Stockholm bis New York oder Produktionen mit Sammy Deluxe über Nils Landgreen bis zum Blood-Sweat-and-Tears -Trompeter Lew Soloff beweisen, dass die Jungs auch überregional Streetcredibility besitzen. Und alle Songs des Albums sind ausgesprochen hörerfreundlich: Das heißt hier will niemand das Funk-Rad neu erfinden – aber zeigen, dass die Truppe bei jeder Straßenweltmeisterschaft mitradeln kann. Wahrscheinlich geht das Ganze live sogar ab wie Schmidts Katze ….. Aber dazu kann ich ja leider (siehe oben) nichts vermelden!
Willy Theobald

Label: Minor Music
Fotos: Nikita Kret

Video
Diazpora (feat. Miu): Risin’ High

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