Archiv der Kategorie: Kurzkritik

Matthias Schriefl: Europa

Gemuhe zum Einstieg? Muss man(n) erst einmal drauf kommen, doch wenn der Opener den Titel „Auf Wiener Schnitzel“ trägt, ist solch atonale Aufnahme aus dem Kuhstall nur konsequent. Und erzählt eine von acht ebenso humorvollen wie polystilistischen und -rhythmischen Song-Geschichten, mit denen Chef-Schlachter Schriefl durch die Welt(-Musik) wandert: mal makaber, mal harmonisch, mal morbide, mal vergnügungssteuerpflichtig. Stets aber voller Originalität und instrumentaler Klasse!

Dieter Ilg Trio: B-A-C-H

Am Ende könnte Bach der erste Jazzer gewesen sein: Den Eindruck hinterlässt Dieter Ilg auf seinem neuen Album. Nicht nur, dass der Kontrabassist das berühmte „Air“ des barocken Übervaters wunderbar melodisch zu gestalten weiß, vor allem verpasst das Trio den bekannten Klassikern durch feine, geistreiche Improvisationen neue Gewänder. Nutzt Melodien und Impulse des Leipzigers für ebenso sanfte wie überraschende Variationen. Bach war und ist eben Anfang und Ende aller Musik.

Tingvall Trio: Cirklar

Seiner Liebe zur melodischen Seite des Jazz bleibt Martin Tingvall auch auf diesem Album treu. Und so zieht der Schwede Kreise („Cirklar“) der Klangschönheit, lässt mit seinen Mitstreitern Bassist Omar Rodriguez Calvo und Drummer Jürgen Spiegel sein „Karusellen“ durch einen weiten Stilkosmos laufen. Mal sphärisch, mal beschwingt, mal schwermütig, mal schwelgend – stets aber facettenreich. Irgendwie rund und doch im Fluss. Eben wie ein unendlicher Kreislauf betörender Klänge.

Maria Baptist: Poems without Words

Nein, zarte Klangspielereien sind auf diesem Album ihre Sache nicht. Stattdessen setzt Maria Baptist auf Intensität und Rhythmus, groovt entschlossen und packt auch beim Soul zu. Das sorgt für Power, zumal ihr Trio in diesen voll tönenden Gedichten mit Jan von Klewitz durch einen Saxophonisten ergänzt wird, der bei allem edlen Ton zuzupacken weiß. So dass einmal mehr eine ganz persönliche, von dichten Motiven geprägte Note entsteht – jenseits säuselnder Poesiealben.

Morten Kargaard Septet: Zealand

Zeit hat sich Morten Kargaard gelassen – reichlich Zeit. Fünf Jahre hat der Däne an „Zealand“ gewerkelt, und bisweilen dünkt es, als lausche das Septett noch immer den eigenen Klangerkundungen nach. Schließlich geht es ihnen darum, Brücken zu schlagen zwischen den Welten des Jazz und der Klassik, über persönliche Empfindungen neue Räume zu öffnen auf dieser Reise durch Orte und Erinnerungen. Mit Grüßen aus dem (Folk-)Norden und manch nicht nur melodisch neuem Eindruck.