SF Jazz Collective mit Gretchen Parlato und Martin Luther McCoy

Ein Abend in der Elbphilharmonie ist an sich schon ein Erlebnis. Das SF Jazz Collektive machte es auf jeden Fall zu einem klanglichen Highlight. Mit Neuem präsentierten sich die neun Musiker:  New Works Reflecting the Moment.

Ganz easy tänzelten die ersten Töne durch den riesigen Zuschauerraum, ganz soft, relaxt. Fast schlichen sie sich hinein in die Ohren der Fans, die sich versammelt hatten. Dann verstärkte das Collective den Klang, steigerte sich in enervierenden, treibenden Läufen. Eine Antwort auf die außergewöhnlichen sozialen und globalen Probleme, die unser Leben im vergangenen Jahr bestimmt hatten, sollte das Programm sein, schreibt die Elphi-Crew in der Ankündigung.

Die Stimmen des SF Jazz Collectives, Gretchen Parlato und Martin Luther McCoy, gaben der Session ganz verschiedene Farben: Smooth, werbend, zart, manchmal süß hauchend, aber dennoch klar verbindend, was die Musiker drum herum klanglich zusammenweben, zeigt sich Parlato. McCoy indessen dringt mit seiner leicht rauchigen, warmen Stimme – mal kehlig-kraftvoll, mal voll und rund – über den Gehörgang bis in die Magengegend der Elphi-Besucher.

Das Publikum konnte oft kaum abwarten, bis der letzte Ton verklungen war. Die Musiker überzeugten in Soli, na klar, und im Zusammenspiel, das den ganzen Saal zum Schwingen brachte: mit starken Bläsern, eingerahmt von Bass und Schlagzeug, überzuckert von delikaten Pianolines, umtanzt vom Vibraphon verwickelten sie das Publikum in jegliche Art von Gefühlen. Ein Quentchen Sachtheit hier, eine Fülle von aufwühlenden Momentaufnahmen da.

Da brauchte es das bekannte „Whats going on“ nicht, um zu wissen: Das erreicht die Menschen. In den frühen Jahren wurden das SF Jazz Collective (gegründet 2004) gerühmt, über eine „energiegeladene Bühnenpräsenz und experimentierfreudige Spielweise“ zu verfügen. Stimmt immer noch. „Jazz at the Phil“ – mit diesen Musikern ein Ereignis.

Fotos: Daniel Dittus