Stefan Gwildis @ Sandra Ludewig/PR

Stefan Gwildis: Alles dreht sich

Zu viel Alkohol, ein Drehwurm nach albernen Spielchen oder umwerfende Veränderungen – und plötzlich heißt es: Alles dreht sich. Stefan Gwildis sieht jede Menge Bewegungen und ist selbst in Bewegung, das will er mit seinem neuen Album zeigen. Dabei will er kleine, alltägliche musikalische Begegnungen anbieten – mit ordentlich Liebe und einer Handvoll Geschichten. Zusammen mit Tobias Neumann (p) und Martin Langer (dr) dreht er sich seinen Fans in den Gehörgang.

Ruhig, bestimmt und gelassen klingt zum Beispiel seine Liebeserklärung an das Meer. Und jeder wird ihm folgen können. Nicht nur hier will Gwildis noch den Dreh zur Freiheit unterbringen. Dabei reicht schon, was da ist: Wellen, Wind und Weite. Elemente pur, in klare Töne gefasst.

Stefan Gwildis: Alles dreht sichAn anderer Stelle wird’s brasilianisch und textlich schon fast skurril: Deutsche versinnbildlicht durch Vulkane? Rhythmus als leidenschaftliche Herzensangelegenheit entfesselter Teutonen? Naja, davon ist die Mehrheit der Einheimischen noch ein wenig entfernt. Aber: Alles dreht sich ja. Wer weiß, was Gwildis da anstößt… Heiter-perlende Melodiebögen, die von Zuckerhut und Strandschönheiten künden, sind für den Anfang auch ganz schön.

Musikalisch wirft Gwildis jedoch vor allem Bewährtes, Wohlgelittenes in die Waagschale. In einigen Phrasen scheint man vorherige oder frühere Gwildis-Songs zu erkennen. Immerhin: Ein verspieltes Intro, ein anderer kecker Text – zumindest lässt sich das durchhören. Leicht und frei, entspannt.

Und der Doppelhaushälften-Alltag, den Gwildis samt dunkel-schmachtendem Bofrost-Mann in einem seiner Songs beschreibt, hat Auswirkungen – in den Mundwinkeln. Wenn auch ein paar Klischees nicht zu überhören sind. In „Handvoll Liebe“ wirft Gwildis dann Gefühle und Irritationen übers Anders-Sein in die Welt, die auf jeden Fall schmunzeln und nachdenken lassen.

Der Sänger schwelgt bei all dem in Soul-Gefilden. Manchmal fällt auch ein Quäntchen Jazz mit ab. “Ganz nah bei sich” sei er, eröffnet der Pressetext.

Die Bilder zum Album sollen übrigens in Lissabon entstanden sein. Sieht man nicht. Und hat mit der neuen Silberscheibe auch irgendwie nix zu tun. Obwohl: Lissabon dreht auch. Und Geschichten aus dem Leben hat die Stadt mindestens so viele wie Hamburg, das auf der CD mehrfach liebevoll erkennbar wird.

Am besten gefällt mir die neue Gwildis-CD, wenn es ruhiger, ernster wird. Das hat was von … dem genau richtigen Dreh. Aber für Fans gilt natürlich: Alles dreht sich.
Sabine Meinert

Fotos: Sandra Ludewig/PR

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