Viktoria Tolstoy: Meet Me At The Movies

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Die Kinokasse hat man nicht wirklich vor Augen, wenn Viktoria Tolstoy anfängt zu singen. Doch auf dieser CD ist alles anders. Doch diesmal hat sich die Schwedin Filmmusiken bekannter Streifen ausgesucht und kräftig in den Jazz-Topf getaucht. Herausgekommen sind neu gewandete und dennoch unverfälschte Klassiker.
Manchmal dauert es 20-30 Takte, bis einem bewusst wird: „Na klar, das ist doch…“ Denn häufig überwiegt zunächst das Aufhorchen, Genau-Hinhören, Klangperlen-Einfangen. Tolstoy entführt, verführt und streichelt sanft, lächelt schelmisch und lässt mit jedem Ton aufhorchen, wo man sonst am Bild auf der Kinoleinwand klebt. Klar, es sind die alten Songs und doch klingen sie so anders als im Kino – perlend, rauchig, groovy. Modern und neu.
Tolstoy lässt gemeinsam mit Mattias Svensson (bass), Rasmus Kihlberg (drums) und Krister Jonsson (guitar) hundertfach Reproduziertes wieder glänzen. Aus tausendfach abgenudelten Musical-Schnulzen und Uralt-Klassikern wird kristallklar und fein nuancierter Jazz. „As time goes by“, „Dancer in the Dark“, „Kiss from a rose“ – Tolstoy präsentiert sie soft und smooth an der einen Stelle, rauh und griffig an einer anderen.
Viktoria Tolstoy: Meet Me At The Movies. CoverGlanzlichter setzt in mehreren Songs Nils Landgren mit seiner roten Posaune, der auch der Produzent der CD ist. Er putzt dabei kleinste Songpassagen musikalisch blank, lässt es hell aufblitzen und verleiht den Filmtiteln strahlende Klang-Accessoires. Zudem hat sich Tolstoy den finnischen Pianisten Iiro Rantala als Gast geholt. Ihm gelingt am Piano ein Zeitensprung: Mit leichtem Finger vertreibt er den Kitsch aus den altbekannten Weisen, verwandelt Angestaubtes in Modern-Jazziges. Melancholisches bekommt Intensität, softes Feeling endet in Klängen mit Verve und Modernität.
Und Tolstoy zeigt zusammen mit ihren Musikern: Orchester-Vollbesetzung und Hollywood-Bombast sind für die Klassiker nicht nötig. Die kleine, fast sparsame Besetzung bringt Tolstoys klare Stimme und lebendige, jazzige Interpretation zum Leuchten, setzt die Musiker in einzelnen Passagen großartig in Szene und überzeugt mit einem feinen Klanguniversum. Sehr gelungen!
Ich finde, die Kinos hierzulande sollten wieder mal Filmmusik-Abende anberaumen. Viktoria Tolstoy und ihre Musiker wären die richtige Wahl für eine Matinee. Bis sich ein Kinobesitzer traut, bietet die CD 48 Minuten Kino-Erlebnis der besonderen Art.
Sabine Meinert

Foto: Gregor Hohenbert/PR
Label: ACT